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Veranstaltung 

1914 / 2014 Die letzten Tage der Menschheit Helmut Qualtinger ließt Karl Kraus
Titel:
1914 / 2014 Die letzten Tage der Menschheit Helmut Qualtinger ließt Karl Kraus
Wann:
21.03.2014 21.00 h
Kategorie:
cinema by step

Detail-Info

1914 / 2014
Die letzten Tage der Menschheit
Helmut Qualtinger ließt Karl Kraus


Die letzten Tage der Menschheit ist eine „Tragödie in 5 Akten mit Vorspiel und Epilog“ von Karl Kraus. Sie ist in den Jahren 1915–1922 als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg entstanden. In über 200 nur lose zusammenhängenden Szenen, die auf wahren Quellen beruhen, wird die Unmenschlichkeit und Absurdität des Krieges dargestellt. Das Stück ist einem „Marstheater“ zugedacht und ist bisher noch nie komplett aufgeführt worden.

Karl Kraus selbst hatte das Stück zunächst für unspielbar erklärt. Im Vorwort zur Buchausgabe schrieb er: Die Aufführung des Dramas, dessen Umfang nach irdischem Zeitmaß etwa zehn Abende umfassen würde, ist einem Marstheater zugedacht. Theatergänger dieser Welt vermöchten ihm nicht standzuhalten. Es gab einige Aufführungen des Epilogs. Die erste war am 4. Februar 1923 in Wien, an der Kraus selbst mitwirkte. Er hat eine Bühnenfassung erarbeitet, ohne Vorspiel und Epilog, ohne die meisten Nörgler-Szenen, und mit nur einem Drittel der restlichen Szenen. Daraus hat er bis 1930 häufig in seinen Vorlesungen vorgelesen. Als jedoch bekannte Regisseure wie Max Reinhardt oder Erwin Piscator die Letzten Tage inszenieren wollten, lehnte er ab, wahrscheinlich aus Angst, sie würden aus dem Stück ein Unterhaltungsspektakel machen. In der Nacht vom 15. auf den 16. Jänner 1930 kam es zur einzigen deutschen Aufführung des Epilogs in Berlin am Theater am Schiffbauerdamm durch Heinrich Fischer, unter anderem mit Paul Morgan und Theo Lingen, Musik von Hanns Eisler.
Lesungen und Aufführungen des Epilogs gab es nach dem Zweiten Weltkrieg bereits 1945 in New York und Zürich. 1945 fand am Wiener Volkstheater eine Matinée zum Gedächtnis an Karl Kraus mit der Erstaufführung der vier letzten, apokalyptischen Szenen „Die letzte Nacht“, dem Epilog zu „Die letzten Tage der Menschheit“ statt, die auch zu einem regulären Theaterabend unter dem Titel „Das menschliche Antlitz“ wurde (Regie: Günther Haenel, mit Dorothea Neff, Karl Skraup, Hanns Obonya und Oskar Wegrostek. Bühnenbild: Gustav Manker). Auf dem Programmzettel stand Kraus’ Zitat: „Nein, der Seele bleibt keine Narbe zurück. Der Menschheit wird die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgegangen sein.“ [8]

Zur Bekanntheit des Stückes im deutschen Sprachraum haben die Schallplattenaufnahmen von Helmut Qualtinger (1962–72) wesentlich beigetragen.

Helmut_Qualtinger
1949 hatte sein erstes Theaterstück Jugend vor den Schranken in Graz Premiere und erregte bei seiner Uraufführung als Halbstarkendrama, das sich der Verelendung der österreichischen Nachkriegsjugend widmet, einen Skandal. Ein großer Teil der Zuschauer protestierte mit lauten Rufen besonders bei den Szenen, die die Verfallssymptome dieser Kategorie von straffällig gewordenen Jugendlichen zum Ausdruck brachten. Im ersten Drittel der Aufführung nahmen die Kundgebungen solche Formen an, dass zum Schutz der Darsteller ein größeres Polizeiaufgebot angefordert werden musste. Der Gipfel der Demonstrationen wurde erreicht, als in einer Szene der Darsteller der Rolle des Staatsanwaltes als Sühne die Todesstrafe forderte und daraufhin das Publikum schrie: „Ja, für den Verfasser!“[1] Das Stück wurde schon am nächsten Morgen vom Spielplan genommen. In den Jahren bis 1960 arbeitete er vor allem an verschiedenen Kabarett-Stücken mit dem namenlosen Ensemble (Gerhard Bronner, Carl Merz, Louise Martini, Peter Wehle, Georg Kreisler, Michael Kehlmann). Seine „Travnicek-Dialoge“ mit Gerhard Bronner (Autoren: Merz und Qualtinger) sind in die Kabarett-Geschichte eingegangen.
Helmut Qualtinger galt als eher schonungsloser Kritiker des gemeinen Mannes denn als Kritiker der Mächtigen. Dennoch wurde ihm nachgesagt, dass er mit dem Lied Der Papa wird’s schon richten (T.+ M.: Gerhard Bronner) den Rücktritt des damaligen Nationalratspräsidenten Felix Hurdes bewirkte; dessen Sohn war in einen Autounfall mit Todesfolge verwickelt, was vertuscht werden sollte. Seine Meinungen und Kommentare schrieb er in einer bürgerlichen Zeitung, dem Kurier, beispielsweise von 1955 bis 1961 gemeinsam mit Carl Merz die wöchentliche Glosse Blattl vor’m Mund.

Ab den 1970er Jahren verstärkte Qualtinger seine schriftstellerische Tätigkeit und ging vermehrt auf Lesetourneen. Seine Lesungen eigener und fremder Texte (so auch Adolf Hitlers Mein Kampf) waren so erfolgreich, dass sie auch auf zahlreichen Sprechplatten erschienen. Neben und vor allem nach seinen Kabarettzeiten spielte er unzählige Theater-, Film- und Fernsehrollen, zuletzt 1986 den Mönch Remigio da Varagine in Der Name der Rose nach Umberto Ecos Roman an der Seite von Sean Connery.
 



 

Eintritt:

Eintritt frei

Veranstalter:

kulturzentrum zoom