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Veranstaltung 

Klaus Christian Michor liest aus Keith Richards Bio „Life“
Titel:
Klaus Christian Michor liest aus Keith Richards Bio „Life“
Wann:
15.09.2012 
Kategorie:
literary by step

Detail-Info

Klaus Christian Michor
liest aus
Keith Richards
Biographie „Life“
erweitert durch Musik der Stones aus der jeweiligen Zeit

Stones-Gitarrist Keith Richards hat so intensiv gelebt, dass er über 700 Seiten braucht, um davon zu erzählen. Und man bekommt nicht genug.

Als ihn ein Journalist fragte, wie er sich auf die Konzerte vorbereitete, sagte er: «I wake up.» Keith Richards redet, wie er Gitarre spielt: immer im Takt, kein Ton zu viel. Unverkennbar, unbeeindruckt, unverwechselbar. Ähnlich knapp heisst jetzt auch seine Autobiografie. «My Life» war der ursprüngliche Titel, Richards strich das Possessivpronomen weg: Life, Leben. Darunter macht ers nicht.

Dass er dann trotzdem 723 Seiten braucht, um von diesem Leben zu erzählen, hätte man von einem Lakoniker wie ihm nicht erwartet. Schon weil man ihm gar nicht zutraute, dass er sich überhaupt an das Leben erinnert, am wenigsten an sein eigenes. «Glaubt es oder nicht», schreibt er aber im Klappentext: «Ich habe nichts davon vergessen.» Und Keith Richards, der auf eigene Tagebuchnotizen und Erinnerungen von Freunden und Kollegen zurückgreifen kann, hat eine Menge zu erzählen.

Wie sollte es anders sein für einen Musiker, der bald seit fünfzig Jahren mit derselben Band auf allen Bühnen steht? Der brennende Wohnungen, geladene Pistolen, Gefängnisbesuche, Elektroschläge, Prügeleien, bewaffnete Dealer, betrunkene Hells Angels, Stürze und Drogen überlebte? Der einen Totenkopfschädel am Finger trägt, vom «New Musical Express» als «aufgewärmter Tod» betitelt wurde und jahrelang die Liste jener Kaputten anführte, die als Nächstes sterben sollten?

Viele seiner Freunde und Kollegen sind tot, er hat selber eines seiner Kinder früh verloren, er war ein Junkie, er war auf Koks, er wurde zum Alkoholiker und raucht seit bald sechzig Jahren Kette. Aber der Mann ist immer noch da. Mit seinem zerknitterten Gesicht, dem wölfischen Lachen, dem grauen Zottelhaar, den Bildhauerhänden, dem Blick eines Piraten. Mit seiner Band und seinen Gitarren, seiner Frau und seinen vier Kindern, die er über alles liebt. Keith Richards’ Leben ist die Geschichte eines Überlebenden. Und er schreibt sie aufrichtig, humorvoll und absolut unsentimental.

Zwar hat er sich dabei von seinem Freund helfen lassen, dem Schriftsteller James Fox. Aber alles sei von Keith gekommen, hat der über das Buch gesagt, die Sprache und vor allem der Rhythmus der Erzählung. Um beide zu hören, muss man das englische Original lesen, die deutsche Übersetzung schafft das nicht. Aber selbst auf Deutsch kann man nicht aufhören, dieses Leben nachzulesen.

Immerhin scheint ihn selbst in den schlimmsten Momenten der Humor nicht verlassen zu haben: «So oft, wie ich kalten Entzug gemacht habe», schreibt er, «müsste ich längst erfroren sein.» Der alte Bastard hat für alles den richtigen Satz parat.

Keith Richards mit James Fox: Life. Aus dem Englischen von W. Winkler, W. Müller u. U. Thiele. Heyne, München 2010. 736 S., illustriert, ca. 37 Fr. (Tages-Anzeiger)




Eintritt:
frei

Veranstalter:

kulturzentrum zoom